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24. September 2005
NABU-Heilkräuterführung am Rheinbogen bei Hockenheim
Edith Offenloch zeigt auf 200 Metern Gehstrecke was schützenswert ist, heilt, sagt woher es stammt und was unsere Vorfahren schon darüber wussten
Foto-Galerie mit Bericht über eine Kleinexkursion der NABU-Ortsgruppe Hockenheim
Die Zaunrübe: Der Homöopath weiß bei welchem Rheuma oder Fieber sie hilft.

Je nach Typ und genauerem Beschwerdebild kann sich auch die Brennessel (Foto rechts) als hilfreich für rheumatische Beschwerden erweisen.
Der schmucke Beinwell: Sein Name spricht Bände.
 Augenweide Weidenröschen


Das Weidenröschen (auch Muttergotteshaar genannt) soll der Prostata gut tun. Aber auch ungeachtet dieser positiven Eigenschaft: abenteuerliche Naturspielereien mit Blättern, Früchten, Stiel und Stengel des Weidenröschens lassen viele der Weidenröschen" zur wahren Augenweide werden.
(mareno.net). Mit 39 Teilnehmern führte Edith Offenloch eine selten so starke NABU-Exkursionsgruppe (Foto) zu scheinbar unzähligen Heilkräuterarten.
Auf nur knapp 200 Metern am Naturschutzgebiet "Hockenheimer Rheinbogen" kamen die Teilnehmer dieser Veranstaltung vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) voll auf ihre Kosten, was Anregungen zum Gebrauch heimischer Kräuter in Küche und als Heilkraut betrifft.
Fotos: Rechts entlang des feuchten Grabens im Rheinbogen führte die erste Hälfte der Heilkräuterexkursion entlang... ... ...und links zwischen Graben und Kleingärten die zweite Hälfte.

Zwar beruht der praktische Naturschutz des NABU im Zweifel auf neuzeitlicher naturwissenschaftlicher Basis, doch lässt sich dabei manche Ortsgruppe nicht die Möglichkeit nehmen, über ihren eigenen Tellerrand zu schauen. Nicht zuletzt macht das auch viel Sinn, weil ja auch für Freunde der Pflanzenheilkunde der heimatliche Natur- und Artenschutz durch den NABU eine sehr dankenswerte Rolle spielt.
Es sind einfache Beobachtungen, die nicht nur Bauern und Hirten seit jeher auf eine besondere Heilwirkung bestimmter Pflanzen schließen ließ. So frisst das Schaf Schafgarbe, wenn es Blähungen hat. Wenn Wildschweine unter Magenschmerzen leiden, suchen sie oft das Schöllkraut um zu lindern, und das Gänsefingerkraut hilft nicht nur den Gänsen bei Durchfall. Uns Menschen ist in den letzten Generationen zunehmend das Wissen um die Heilkräfte vieler Kräuter abhanden gekommen, so Andreas Diebold, Vorsitzender beim NABU-Hockenheim. Wir gehen zum Arzt oder Apotheker und lassen uns dort beraten. Was wir dann mit nach Hause nehmen, enthält auch heute noch nicht selten Extrakte dieser Heilkräuter.
Nur wenig greift man auf bewährte Tees wie dem aus. Das Franzosenkraut (Galinsoga ciliata), auch Kleinbluetiges Knopfkraut genannt, ist kaum bekannt. Wenige Deutsche kennen noch das Eisenkraut (Verbena officinalis) als Tee.

Edith Offenloch führte daher die Kräuterwanderung des NABU-Hockenheim an, bei der mit vielen Anregungen ein großer Anreiz zur Weiterbeschäftigung mit den Kräutern gegeben wurde. Das war bald nach Beginn der Führung zu merken, als die Fragen zur Verwendung der Pflanzen und ihren Erkennungsmerkmalen immer häufiger wurden. Unterstützt durch den Heilkundigen und Kreisnaturschutzwart Thomas Hartmann wurden sehr viele Fragen doch noch allen 39 Teilnehmern beantwortet.
Da war besonders der Weißdorn für das Herz und den Kreislauf interessant. Nicht allzu selten ist dieser in unserer Gegend und dessen Heilwirkung ist sogar nach neuzeitlichen Methoden wissenschaftlich nachgewiesen und in vielen Produkten erhältlich. Doch gibt es zahlreiche naturnahe Produkte in der Apotheke, bei denen für die Anwender Jahrhunderte Erfahrung und Tradition genügt. Mancher macht heute auch noch Marmelade aus den vitaminreichen Früchten des Weißdorns, war zu hören. Zum Beispiel die Goldrute (Solidago) hat manchem schon bei der Entgiftung über Blut und Nieren geholfen.

Offenloch hatte auch bei der Weide (hier im linken Bild, links hinter der Schwarzerle (Alnus glutinosa) ), einem der ältesten Heilbäume spannende Zusammenhänge erklärt. So wurde die Rinde beziehungsweise Wurzel dieses Baumes seit Jahrhunderten bei oder besser vorsorglich zur Abwehr grippaler Infekte angewendet. Fiebersenkung und Schmerzlinderung können im Krankheitsfall sogar Folge sein. Das wundert nicht so sehr, wenn man bedenkt, dass aus dem Natur-Wirkstoff Salizylsäure der in der modernen Medizin weithin bekannte Stoff Acetylsalizylsäure (ASS) entwickelt wurde.
Gemeiner Wasserdost (Foto oben rechts), Eisenkraut, Gauchheil, Brombeerblätter statt Schwarztee oder der durch die Gallwespe gebildete, nicht ohne Grund so genannte bizarre Schlafapfel (Foto links) an der Wilden Rose wurde vorgestellt. Von der Rose wurde einst mit vielen Weiterdeutungen behauptet, sie sei die Wächterin der Wege, die hört, was die Leute sich so sagen. Immer wieder bringt Offenloch zu den naturheilkundlichen Erläuterungen auch mystische Hintergründe, welche die früher stärkere Wertschätzung der Pflanzen unterstreichen.
Der natürliche Pflanzenbestand, so stellt Offenloch fest, erholt sich zunehmend, seit die sogenannte Giftspritze der Landwirte immer weniger zum Einsatz kommt. Ab und an findet auch wieder ein botanischer Name oder die Bedeutung der Art für den praktischen Naturschutz Eingang in die angeregten Gespräche unter den 39 Teilnehmern. Die Fäden werden geknüpft zwischen reiner moderner Wissenschaft und mystischen Erzählungen. Wer bereit ist, sich auf mystische Erzählungen und dem alten und neueren Volksglauben einzulassen, erkennt vielleicht recht schnell, das hier manche scheinbar weit hergeholte Betrachtungsweisen auch auf nicht naturwissenschaftlichen Weg zu Wahrheit und Weisheit führen.
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